3 Months #TwentyTwenty

„Ich habe Bauchschmerzen. Ein komisches Gefühl im Magen. Irgendwie flau. Irgendwie anders. Unbekannt.“

Es ist Montag, der 23. März, 8 Uhr. Eigentlich einer der letzten Tage meiner Semesterferien. Normalerweise würde ich gerade mit einem Kaffee am Fenster sitzen. Die kalte Luft genießen und im Kopf die To Do’s für den Tag durchgehen. Mich auf mein neues Semester vorbereiten. Meinen Content für diese Woche planen. Überlegen was ich einkaufen muss. Mich für den Abend mit einer Freundin verabreden (…)

Aber normal ist dieser Montag eben nicht. Meine Uni wird nicht in ein paar Tagen beginnen – Vielleicht 2020 sogar gar nicht. Niemand weiß das so genau. Ich sitze nicht in Düsseldorf, sondern mit Marvin in Solingen bei seinen Eltern. Ob wir wirklich einkaufen gehen müssen überlegen wir uns 3x, viele Regale sind ohnehin leer. Zumindest den Kaffee habe ich in der Hand und denke darüber nach, was in den letzten 3 Monaten passiert ist.

Am 1. Januar 2020 habe ich geschrieben:

„Goldene Funken sprühen in alle Richtungen, verteilen ihren Glanz, ein unbekannter hypnotisierender Tanz, in eine ungewisse Zukunft. Jeden Moment könnten sie erlischen, ihren Schein verlieren. Es ist kalt. Gläser klirren, Raketen steigen. Wir lachen und stoßen voller Euphorie aufs Leben an, genießen den Moment. Willkommen in den goldenen Zwanzigern; Willkommen in einem neuen Jahrzehnt. Voller Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Alles scheint möglich, Reset, Neustart, alles auf 0. Wir können wieder von vorne beginnen, das Blatt neu schreiben. Viele gute Vorsätze. TwentyTwenty was hast du für eine Macht? Wir glauben an dich und das sich etwas ändern wird.“

Ende Dezember habe ich den Begriff „Covid-19“ das erste mal gehört. Eine Atemwegserkrankung die in Wuhan aufgetreten ist, neuartig, unbekannt, aber zu weit weg, als das ich mir großartig Gedanken darüber gemacht hätte.

Mitte Januar taucht die Infektion „SARS-CoV-2“ plötzlich häufiger in den Nachrichten auf. In China ist eine Epidemie ausgebrochen.

Ende Januar der erste Infektionsfall außerhalb Asiens. Breitet sich das Virus nun aus?

Anfang Februar der erste Todesfall in China. Dann einer in Frankreich und kurz darauf in Italien. Aus der Epidemie ist eine Pandemie geworden. Erste Hamsterkäufe beginnen. Ich kann das nur belächeln.

Ende Februar die Hamsterkäufe fangen an mir auf die Nerven zu gehen. Was wollen all die Menschen mit dem Klopapier? Erste Corona Witze werden gemacht. Ich habe den Ernst der Lage noch nicht verstanden.

Anfang März jede Push Benachrichtigung auf meinem Handy hat hat etwas mit ‚Corona‘ zu tun. 100.000 Infizierte weltweit. Erste Einschränkungen, aber noch nicht in Deutschland. Ich fange an mir Gedanken zu machen, was das bedeutet. Mache mir Sorgen um meine Oma, alte Menschen gehören zur ‚Risikogruppe‘.

13. März irgendwie hat sich alles geändert. Von jetzt auf gleich. Zumindest kommt es mir im ersten Moment so vor. Kitas und Schulen werden plötzlich geschlossen. Es gilt nun auch in Deutschland ein Versammlungsverbot. Ich bekomme ein flaues Gefühl im Magen. Ich fange so langsam an das Ausmaß zu verstehen.

Mitte März Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt, aber manche Menschen haben es scheinbar noch nicht verstanden. Corona Partys werden gefeiert. Die Todesfälle in Italien steigen. Ich bekomme langsam Angst.

Es ist Montag der 23. März 2020

Ich sitze mit einem Kaffee am Fenster. In Solingen, nicht in Düsseldorf. Seit Donnerstag sind wir hier, haben uns sozusagen selber in Quarantäne begeben. Verlassen das Haus nur zum einkaufen oder um im Wald eine Runde spazieren zu gehen. Ich habe mir das Jahr irgendwie anders vorgestellt. Gestern Abend haben sich Bund und Länder auf ein „umfassendes Kontaktverbot“ geeinigt. Ob das reicht? Wäre eine Ausgangsperre nicht sinnvoller? Die Todesfälle in Italien steigen weiter und trotzdem scheint es noch nicht jeder verstanden zu haben. Ich mache mir Gedanken über die Auswirkungen, all die Toten, Angehörigen, aber auch, was das nun für unsere Wirtschaft bedeutet.

Was passiert ist in einer Woche? In einem Monat? In einem … Jahr? Ich habe Bauchschmerzen. Ein komisches Gefühl im Magen. Irgendwie flau. Irgendwie anders. Unbekannt.

Wir können die aktuelle Situation nicht ändern, aber das Beste draus machen. Zu Hause bleiben. Die Zeit nutzten. Anderen Menschen helfen. Weiter machen. Jede Krise hat ein Ende.

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